Socotra – Galapagos Inseln des Arabischen Meeres

04.01.2022 von Meiky und Micha

Schon vor einigen Jahren - es könnten auch schon acht Jahre sein - saßen wir mit Freunden zusammen, darunter ein jetziger Prof. Dr. der Geoökologie, und unterhielten uns über Reiseziele. Im Gespräch berichtete uns der Promovierende voller Euphorie und mit leuchtenden Augen: „Die Insel Socotra ist total spannend! Dort gibt es wahnsinnig viele endemische Pflanzen, Reptilien und Insekten, die längst noch nicht alle entdeckt und erforscht sind.“ – Wir schauten uns erstaunt an: „Soc... was? Noch nie gehört…“ und googelten erstmal. Seit diesem Zeitpunkt stand Socotra auf der ersten Stelle unserer Wunschliste. Als wir 2018 zum ersten Mal in den Emiraten waren, wäre das eine gute Gelegenheit gewesen, die Insel zu besuchen. Leider war der direkte Flugverkehr damals für einen längeren Zeitraum eingestellt, weil die kriegerischen Handlungen auf dem jemenitischen Festland zu stark waren.

Als nun auf der aktuellen Reise die Verschiffung in die VAE anstand, war das Ziel Socotra wieder zum Greifen nahe. Die Direktflüge dorthin sind allerdings nicht online buchbar. Aber eine Agentur ist bei der Buchung und der Visaeinholung für den Jemen behilflich. Wir fragten an und schnell wurde unser Termin bestätigt. Ein Traum wird wahr: sieben Tage Socotra.

Die Insel

Die jemenitische Insel Socotra liegt am Golf von Aden vor dem Horn von Afrika und ist näher an Somalia als am Jemen. Schon in der Antike spielte die Insel eine Rolle auf den Handelswegen von und nach Indien. Mit 130 Kilometern Länge und einer Breite von etwa 45 Kilometern ist Socotra viermal so groß wie Rügen, bei gleicher Einwohnerzahl von etwa 60.000. Rügen wird pro Jahr von rund 1,1 Mio. Touristen besucht, auf Socotra sind es nur 1600.

Lange Zeit war die Insel von der Außenwelt fast isoliert. Erst seit 1999 gibt es den ersten und einzigen Flughafen, über den wenige Flüge durchgeführt werden. Die ersten Forscher und Touristen entdeckten die Insel, ansonsten blieb sie aber weitestgehend unbekannt. Auch heute gibt es nur einen wöchentlichen Flug ab/bis Abu Dhabi.

In den vergangenen dreißig Jahren wurden in den tieferen Regionen eine Vielzahl von endemischen Pflanzen und Reptilien entdeckt, die sich in der Abgeschiedenheit von der Außenwelt entwickelt haben. Etwa 80 % aller Insekten, Pflanzen und Reptilien gibt es nur auf Socotra. Der Grund dafür ist nicht nur die Abgeschiedenheit, sondern auch das tropische Wüstenklima und das Halbwüstenklima. Diese Besonderheiten machen Socotra nach den Galapagos- und den Fernandez-Inseln zur dritt wichtigsten Insel. Sie ist somit nicht nur einzigartig für den Jemen, sondern auch für den Rest der Welt. Seit 2008 gehört die Insel zum Weltnaturerbe „Socotra-Archipel“ der UNESCO.

Ansonsten noch interessant zu wissen ist, dass die höchste Erhebung der Insel der Dschabal Haggier mit 1520 Metern darstellt. Er besteht hauptsächlich aus einem Hochplateau. Auf Socotra gibt es kaum eine Infrastruktur. Es sind nur 600 Fahrzeuge unterwegs und es gibt nur ein oder zwei Hotels, die sich in der Inselhauptstadt Hadibu befinden. Außerhalb der Stadt sahen wir in einer Woche nur fünf einheimische Fahrzeuge. Ein Einkauf kann nur in Hadibu erfolgen, außerhalb gibt es kaum noch etwas. Seit 2018 steht Socotra unter dem Einfluss der Vereinigten Arabischen Emirate.

Buchung einer Socotra Reise 2022/23

Derzeit muss eine Reisebuchung nach Socotra im Grunde über eine Agentur erfolgen. Wir entschieden uns für Welcome to Socotra, es gibt aber noch ein paar andere Anbieter. Der nur einmal pro Woche stattfindende Flug ab Abu Dhabi ist nicht im Internet zu finden, da es sich um einen Charterflug der Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate handelt. Auch die eigentlich sehr komplizierte Visaeinholung für den Jemen erfolgt über die Agentur und ist so ganz einfach und unkompliziert. Individuell darf man nicht auf der Insel reisen. Man benötigt immer mindestens einen Fahrer und einen Guide. Möchte man dann noch verpflegt werden, was anzuraten ist, da es unterwegs auf der Insel nirgends Restaurants oder Einkaufsmöglichkeiten gibt, folgt noch ein weiteres Fahrzeug mit Küchenteam. Wir schlossen uns einer zehnköpfigen Gruppe an, da diese Art dort zu reisen die günstigste Variante darstellt. Allerdings würden wir im Nachhinein empfehlen, eine exklusive Tour ohne weitere Teilnehmer zu buchen (sofern man das nötige Kleingeld dazu hat). Verglichen mit anderen Destinationen ist eine Gruppengröße von zehn Touristen zwar relativ klein, jedoch muss man bedenken, dass zu den zehn reisenden Personen noch etwa zehn weitere Personen dazu kommen (4x Küchenpersonal, 4x Fahrer und 2x Guides). Wäre man nur zu zweit unterwegs, sind es vermutlich ein Guide, ein Fahrer und zwei Küchenleute.

Wer großen Luxus erwartet, ist hier falsch: Übernachtet wird ausschließlich in Zelten, die jedes Mal (wenn auch von den Fahrern) aufgebaut werden müssen. Man erhält Matratzen, ein Kissen und eine Decke. Wir bekamen anfangs zusätzlich einen hübschen Jutebeutel mit sauberen und gewaschenen Bettlaken, Kissenüberzug und der gerade genannten Decke. Nur die Matratzen wechseln bei Umzügen, den Rest behält man für die gesamte Zeit.

Ist man unterwegs, so sitzen in einem geländegängigen Fahrzeug, einschließlich des Fahrers, nur vier Personen, so, dass jeder einen Fensterplatz hat. Drei Mal täglich werden leckere und ausreichende Malzeiten sowie Wasser und Tee aufgetischt. Dazwischen gibt es immer wieder mal Obst, Schokoriegel, Datteln und Cola.

Erstaunlicherweise war das Essen deutlich besser als wir erwartet haben und war wirklich sehr lecker. Trotz der nur wenigen Sachen, die es auf der Insel gibt, zauberte unser Küchenteam immer etwas Tolles auf den Tisch. Natürlich gab es sehr viel Fisch, manchmal auch zwei Mal täglich, aber fast jedes Mal unterschiedlich gewürzt und zubereitet. Wie schon erwähnt, gibt es natürlich auch andere Tourenanbieter. Offenbar sprechen sie sich aber so ab, dass nicht alle Touren gleichzeitig an einer sehenswerten Stelle anzutreffen sind. Wir waren an den Sehenswürdigkeiten jedes Mal alleine. Jede Gruppe scheint unterschiedliche Strecken zu nehmen und so bekommt man im Grunde keine anderen Touristen zu Gesicht.

Unser Socotra Trip

Einen Tag vor Abflug auf unsere Trauminsel steuerten wir einen Reitstall nahe Abu Dhabi an. Hier heißt das Equestrian Club. Er gehört Freunden und wir durften unser Fahrzeug dort für die Zeit unserer Abwesenheit unterstellen. Mit kleinem Gepäck, etwas Bargeld, Visa und Flugtickets bewaffnet, ging es zum Flughafen Abu Dhabi und sodann mit einem dreistündigen Flug quasi wieder ein Stück weit zurück nach Afrika. Das Flugzeug war nicht ausgebucht und 50% der Passagiere waren Touristen. Die Einreise auf dem kleinen Flughafen Socotras ging fix. Das Gepäck war schnell da und auch unsere Gruppe hat sich schnell gefunden. Vom Parkplatz aus fuhren wir mit vier Jeeps der Marke Toyota los. Als Erstes ganz in den Westen, vorbei an alten, rostigen Schützenpanzern und durch spektakuläre Natur. Hier blieben wir zwei Nächte. Wir gingen Baden, Wandern, am Strand spazieren und unternahmen einen Bootsausflug.

Der dritte Tag führte uns in das Landesinnere zu den Drachenblutbäumen, die es ebenfalls nur auf Socotra gibt. Ähnliche Drachenbaumgewächse gibt es zwar vereinzelt in einigen Ländern, aber „Dracaena cinnabari“ wächst nur auf Socotra und das auch nur in bestimmten, höheren Lagen. Dafür gibt es aber sogar einen richtigen Wald. Den Namenszusatz verdankt der Baum seinem roten Harz, das bei verletzten Bäumen austritt. In Farbe und Konsistenz erinnert es stark an Blut. In der Antike und auch heute noch wird das Harz zum Färben, Verzieren von Keramik, als Lack und sogar als Medizin verwendet.

Als wir alleine die Gegend erkundeten, fühlten wir uns wie auf einer Zeitreise in eine längst vergangene Ära. Jeden Augenblick rechneten wir damit, dass Dinosaurier durch die Landschaft ziehen oder sich Flugsaurier über die Bäume erheben. Eine Überraschung wäre das vor dieser Kulisse nicht gewesen. Die Landschaften und die Klimaverhältnisse ändern sich auf dieser kleinen Insel immer wieder dramatisch. Noch nie zuvor haben wir Ähnliches gesehen. Unsere Erlebnisse auf Socotra waren einmalig und wir freuen uns tierisch, dass unser Traum endlich wahr geworden war. Während der restlichen Tage besuchten wir weitere Highlights. Beispielsweise Höhlen, Wadis, weiße Strände und Sanddünen, und im Süden der Insel Küstendünen, die zu den höchsten der Welt zählen.

Hier gibt’s das Programm der Agentur zum Download. „Welcome to Socotra“. Das Programm vor Ort war stets straff. Wir standen kein einziges Mal nach sechs Uhr auf, teilweise sogar noch deutlich früher, etwa um die Sonnenaufgänge an den Küstendünen oder beim Drachenblutbaumwald nicht zu verpassen. Die Insel hält jedoch noch viele Überraschungen bereit und es ist längst nicht alles zugänglich. So kommt es vor, dass auch Touristen noch zu Entdeckern werden können. Daniil, ein Reisender aus unserer Gruppe, fotografierte eine Stabheuschrecke und lud das Foto in eine Bestimmungs-App hoch. Das Foto ergab keinen Treffer, stattdessen meldet sich jemand zwei Tage später bei ihm, um ihm mitzuteilen, dass es zwar eine sehr ähnliche Art in Afrika gäbe, diejenige auf dem Foto aber offenbar eine andere sei und bisher noch nicht auf Socotra gesehen wurde. Derzeit wird der Sachverhalt noch genau geprüft, aber man kann davon ausgehen, dass dies eine neu entdeckte Spezies ist.

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Gruppenreisen:

Wir hatten anfangs starke Bedenken uns einer Gruppe von acht weiteren Personen anzuschließen, da wir es gewohnt sind individuell und solo unterwegs zu sein. Für mich (Meiky) war es auch die erste Gruppenreise.

Da wir sonst auch nie mit anderen Overlandern gemeinsam fahren und unterwegs sind – im Grunde nicht einmal einen einzigen Tag -waren diese Bedenken vermutlich auch begründet. Wir schätzen es unser eigenes Tempo zu haben, jeden Tag anders zu gestalten und wir tun uns schwer damit, Kompromisse einzugehen, was das Reisen betrifft. Dass wir bei einer Gruppenreise keine freie Handhabe haben werden und unsere Individualität werden zurückstellen müssen, war klar. Auf eine andere Art des Reisens war der Besuch dieser Insel jedoch nicht möglich und so redete ich (Meiky) mir ein, dass Menschen, die ein derart ausgefallenes Reiseziel wählen, doch ähnlich wie wir ticken müssen, und auch ähnliche Interessen haben werden. Wer fliegt sonst extra in den Jemen, um „Urlaub“ zu machen? Allerdings waren die Teilnehmer ganz anders als vermutet. Ein Großteil der Gruppe bestand aus Expats aus den VAE, die bereits alles rund um ihre Wahlheimat gesehen haben und es entstand ein wenig der Eindruck, dass das Ziel Socotra hauptsächlich aus Gründen der schnellen Erreichbarkeit gewählt wurde. Auch hatten sich alle in der Vergangenheit Gruppenreisen angeschlossen gehabt. Ich würde also sagen, dass Individualreisen unter den Teilnehmern allgemein eher die Ausnahme war als die Regel. So weit so (eigentlich) hervorsehbar…Wunschdenken und Realität liegen dann doch oft weit auseinander. So kam es, dass eher wir die Ausnahmen in der Gruppe darstellten und darum vielleicht manchmal etwas aus dem Rahmen fielen (vielleicht hat´s auch keiner gemerkt) und uns etwas schwer mit der Gruppendynamik taten.

 

Auf uns wirkte es ein wenig so, als ob der typische Gruppenreisende alles so hinnimmt, wie es vorgegeben wird und wenig hinterfragt. Bei uns war das etwas anders. In querulantischer Manier stellten wir etwa unser Zelt immer dort auf, wo wir es gerne haben wollten und nicht dort, wo es anfangs von den Fahrern hingestellt wurde. Auch stellten wir ab und an Forderungen, usw. Also eher der Typ unbequemer Kunde. Ich (Meiky) tat mir wahnsinnig schwer mich anzupassen. Ich bin es gewohnt mein eigenes Tempo zu fahren. (Zeitweise kam ich mir vor, wie bei einem Autorennen. Mit 120km/h über die Landstraßen zu donnern muss echt nicht sein, und wenn man bei einer steilen und engen Serpentinenstraße auf der Rückbank, auch wegen mangelnden Anschnallmöglichkeiten, aufeinander drauffällt und sich daraufhin Michas Fingernägel vor Angst in meinen Arm krallen – dann stimmt was nicht).

Ich bin es außerdem gewohnt, dort anzuhalten und aus dem Auto zu steigen, wo ich möchte. Dort länger zu verweilen, wo ich es für schön empfinde. Für meinen Geschmack haben wir zu viel Zeit an der Küste und an Stränden verbracht und zu wenig Zeit in den Bergen oder bestimmten Landschaften, die es woanders nicht gibt. Damit verpasst man eben leider auch Plätze, die man gerne gesehen hätte. Aber die Insel in einer Woche komplett gesehen zu haben, ist eben auch utopisch.

Auch wenn mir jemand vorgibt zu welcher Uhrzeit es etwas zu essen gibt, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Aber gut, um eine Erfahrung reicher und es war trotzdem ein unglaublich toller Aufenthalt. Für Gruppenreisen bin ich eben nicht gemacht. Insgesamt hatten wir aber großes Glück mit der Zusammensetzung unserer Gruppe. Alle waren echt total in Ordnung und wir haben uns sogar einen Abend nach der Rückkehr in Abu Dhabi alle gemeinsam zum Abendessen getroffen. Interessant war auch, dass die unterschiedlichsten Nationen Socotra bereisen. Alleine in unserer Gruppe waren acht verschiedene Nationen vertreten.

Instagram, die Influencer und dark tourism

Das was Socotra für uns ausmacht, ist die Einzigartigkeit der Landschaft und die endemischen Arten, und das alles zu bewundern und zu fotografieren. Sehr viele unterschiedliche Orte machen diese Insel so einzigartig auf der Welt. Der Nachteil an einer solchen Tatsache ist, dass natürlich viele (auch „Möchtegern“-) Influencer dorthin kommen, um möglichst instagramable – samt wehenden Tüchern und dick aufgetragenem Make-up – vor Drachen- und Flaschenbäumen sowie diversen Dünen und Stränden zu posieren. Und es waren deutlich mehr als gedacht (glücklicherweise keiner aus unserer Gruppe). Dazu kommen noch die Leute des sogenannten dark tourism, die Socotra hauptsächlich aus dem Grund bereisen, dass es zum Jemen gehörig ist und dieser bei vielen Regierungen und Nationen auf der Travel- „Black List“ steht. Die spezielle Natur, die Landschaft und die Pflanzen sind dann leider eher zweitrangig.

 

In den Sommermonaten von April bis Oktober haben die Soqotri ihre Insel dann wieder für sich alleine. Der starke Monsun, der zu dieser Zeit auftritt, bringt zwar kaum Regen, aber täglich heftige Winde und Stürme mit Windgeschwindigkeiten bis zu 100 km/h. Der Flugverkehr wird fast eingestellt und die Versorgungschiffe kommen ebenfalls nur sporadisch. So kann sich Socotra wieder vollständig regenerieren. Man merkt der fragilen Insel an, dass trotz der geringen Anzahl an Touristen, das Maximum bereits erreicht ist. Wir hoffen, es bleibt so!



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