Malawi - The warm heart of Africa

07.08.2022 von Micha und Meiky

Bereits nach den ersten Tagen in Malawi war uns klar: Hier gefällt es uns auf unserer Afrika Reise bisher eindeutig am besten. Obwohl die Menschen hier noch ärmer als in den anderen Ländern zu sein scheinen, legen sie im Vergleich mit den Bevölkerungen der anderen Länder bei Weitem die größte Lebensfreude an den Tag. Kinder und Erwachsene, die Fußball oder Volleyball spielen, und freundliche, lachende Gesichter fast überall wo man hinsieht.

Für uns war es in Afrika noch nie so einfach mit den Einheimischen in Kontakt zu treten. Warum Malawi auch als das „warm heart of Africa“ bezeichnet wird, wird schnell klar. Kinder winken einem zu und wollen fotografiert werden. Allein ein Besuch in einer Garküche am Straßenrand bringt meist ein freundliches Gespräch mit anderen Gästen oder den Betreibern der jeweiligen Imbissbuden. Von wenigen Straßenverkäufen in Botswana einmal abgesehen, suchte man gutes Streetfood und die sich dadurch ergebende Gelegenheit sich unters Volk zu mischen, bisher vergeblich. Möchte man seine Ruhe, ist das aber ebenfalls kein Problem. Man wird zum größten Teil in Frieden gelassen und muss nicht ständig Verkaufsversuche irgendwelcher Händler abwehren. Noch dazu sind die Menschen ehrlich. Kurz eine Packung Chips oder ein Getränk gekauft, zahlten wir hier noch nie den Touristenpreis.    

Trotz der allgegenwärtigen, vermeintlichen Lebensfreude kann man die Augen vor der starken Armut nicht verschließen. Oft macht sie einen betroffen. Kinder, die vor einer Maismühle die verschütteten Körner aus dem Dreck sieben. Ein Obdachloser, dem die Kleider wie Fetzen vom Leib hängen. Nur zwei der Bilder, die man hier immer wieder sieht.

Dass es viele soziale Projekte gibt macht ein bisschen Hoffnung. Auch mit solchen kommen wir hier in Malawi mehr und mehr in Kontakt. Recht am Anfang unserer Reise entlang des Malawi Sees besuchten wir eines dieser sozialen Projekte. Neben einer Schule wird einigen älteren Kindern das Nähen beigebracht. Damit erwerben sie die Grundlage für ihr eigenes Schneiderei Business. Dazu erwartete uns eine weitere interessante Begegnung weiter nördlich, etwa auf der Hälfte des 570 Kilometer langen Sees. In einer Lodge trafen wir zwei Mitglieder des Malawi e.V. Schwindegg. Sie berichteten uns wie der Verein vor Ort Bauern unterstützt und ihnen beibringt wie sie ihre Ernte maximieren können. Er initiiert Schulspeisungen, baut Brunnen und treibt viele andere spannende Projekte voran.

Auch wir haben ein bisschen das Gefühl, dass unsere Anwesenheit hier nicht sinnlos ist. Touristen bringen Geld ins Land. Zahlreiche Einheimische finden dadurch Arbeit in den ansässigen Lodges.

Einreise und E-Visa

Bereits in Lusaka, Sambia, beantragten wir ein E-Visum für Malawi. Wir benötigten dazu nur je ein eingescanntes Passbild, eine Übernachtungsbestätigung von mindestens drei Tagen und einen Covering-Letter von einer Agentur oder vom Eigentümer des Übernachtungsplatzes. Diese Bestätigungen erhält man recht einfach. Es gibt einige Hostels und Campingplätze, die sie gebührenfrei ausstellen. In der Regel sollte das Visum innerhalb von drei Tagen bestätigt werden. Bei uns erfolgte es leider noch nicht einmal am siebten Tag. Da wir immerhin in Lusaka waren, statteten wir der Malawischen Botschaft einen kleinen Besuch ab, um nachzufragen wo die Bestätigung bleibt. An der Pforte wurde uns gesagt, dass die Dame die dafür zuständig sei, nicht in der Botschaft wäre und wir ihr unser Problem am Telefon schildern sollten. Doch sie wimmelte uns ab. Zehn Minuten später spazierte die Dame jedoch aus der Botschaft. So viel zum Thema sie wäre da... Wir erklärten ihr den Sachverhalt erneut. Trotz ihrer Unfreundlichkeit war sie kooperativ. Sie versicherte uns, dass unser Visum noch heute bestätigt werden würde. Es ist ein Rätsel: Warum legen einem manche Länder Steine in den Weg, wenn es um die Einreise geht. Wir sind Touristen und wollen das Land nur bereisen und entdecken. Dass der Tourismus eine nicht unerhebliche Einnahmequelle ist, sollte eigentlich jedem klar sein. Die Bevölkerung kann an den Touristen verdienen und langfristig davon profitieren. In Zentralasien hat man das bereits erkannt. Usbekistan lockerte nach und nach die Einreisebestimmungen und das Land vereinfachte das individuelle Reisen. Interessierte Touristen kommen von allein, trotz schlechter Infrastruktur. So kann der Tourismus langsam wachsen. Aber nur, wenn die Regierungen dies auch unterstützt. Egal, nach fünf Stunden waren unsere Online Visa bestätigt.

 

Der Grenzübertritt

Das Grenzprozedere unserer Einreise nach Malawi, war auf beiden Seiten in etwa anderthalb Stunden erledigt. Alles, aber auch wirklich alles lief problemlos. Es wurden keine unnötigen oder dummen Fragen gestellt. Alle wussten was zu tun ist. Wir mussten 11.500,- Kwacha für die Carbon Tax bezahlen und 20 USD für die Road Tax. Wir hatten glücklicherweise schon in Sambia gewechselt.

Auf die Frage wohin wir fahren würden, antworteten wir jedes NUR mit „Malawi“, und alle waren damit einverstanden. Sogar beim letzten Posten, als uns der nette Herr an der Schranke fragte wohin wir wollen, war er über unsere kurze Antwort „Malawi“ glücklich. Gleichzeitig schauten wir uns an und meinten, „Na klar, wo soll es denn sonst auch hingehen?“. Aber der Grenzbeamte war höchst zufrieden mit der Antwort und wünschte uns ein: „Welcome to Malawi, the warm heart of Africa“. Wir müssen auch gestehen, dass wir anfangs selbst noch nicht wussten, wohin wir genau wollten. Zehn Kilometer weiter - erste Polizeikontrolle – dieselbe Frage, dieselbe Antwort. Der Polizeibeamte meinte jedoch, wir sollten seine Frage etwas konkretisieren. Gesagt, getan und so nannten wir ihm einfach die nächste Ortschaft. Und wieder die schöne Antwort. „Welcome to Malawi, the warm heart of Africa“. Dieser Satz begleitete uns fortan durch ganz Malawi.

Insgesamt gab es auf den ersten 200 Kilometern etwa zehn Kontrollen. Wir wurden aber immer durchgewunken. Nur einmal wollten die Polizisten den Führerschein sehen und unsere Versicherung. Auch hier ist man erstaunlicherweise mit Kopien zufrieden. Originale Dokumente zeigen wir nur auf Nachfrage und Verlangen vor, geben sie aber nie aus der Hand.

Unterwegs in Malawi

Unsere erste Station war eine Töpferei mit angrenzendem Campingplatz und Restaurant. Backsteine und Ziegel wurden dort ebenfalls gebrannt und man konnte die gesamte Töpferei und die Öfen besichtigen. Alles wird von Hand betrieben, Maschinen findet man dort nicht.

Danach ging es in einem Rutsch Richtung Monkey Bay und Cape MacLear am Malawi See. Der See begrenzt Malawi, Mosambik und Tansania. Er misst mit einer Oberfläche von 29.600km² etwa 12 Saarl. Als neuntgrößter See der Welt ist er auch der fischreichste, sodass sich alles rundherum hauptsächlich um den Fischfang dreht. Das Wasser ist sehr klar, mit einem paradiesischen Blau. Fast überall gibt es kleine Buchten, die zum Tauchen einladen. Im Winter ist die Lufttemperatur sehr angenehm, teilweise jedoch so windig, dass längerer Kajaktouren fast unmöglich sind.

Leider gibt es, wie in fast allen Seen Afrikas, Bilharziose. Eine Infektion passiert meist an den Ufern, durch die Larven eines Saugwurmes. Seine Zwischenwirte sind bestimmte Süßwasserschnecken. Sogar bei relativ kurzem Kontakt mit der Seeschnecke kann es schon zu einer Infizierung kommen. Innerhalb von vier bis sechs Tagen sind die Parasiten bereits in Lunge und Leber angelangt, wo sie innerhalb von sechs Wochen zu geschlechtsreifen Würmern heranwachsen. Dann geht die Reise durch Blutgefäße weiter Richtung Darmtrakt, wo sie ihre Eier legen. (Kackt man dann wiederrum in den See, geht der Kreislauf weiter). Was kann man also tun gegen Bilharziose? Viele Reisende lassen sich nach ihrer Rückkehr im Heimatland testen oder nehmen einfach nach sechs Wochen die Tabletten, die den herangewachsenen Wurm absterben lassen. Wir entschieden uns für die einfachste Variante: Wir gingen einfach nicht im Wasser.

Jetzt könnte der ein oder andere sagen, „Stellt euch nicht so an, die Einheimischen sind doch auch tagtäglich im Wasser.“ Das stimmt, allerdings infizieren sie sich ebenfalls mit der Bilharziose. Aus diesem Grund erhalten Schulkinder zweimal jährlich die entsprechenden Tabletten in der Schule verabreicht. Freunde von uns verfassten einen sehr informativeren Bericht zum Thema auf ihrer Homepage. Schaut einfach mal vorbei! Giraffe-13 Bilharziose

An den Straßenrändern Malawis werden allerlei Sachen verkauft. Als uns Kinder aber aufgespießte Mäuse anboten, mussten wir doch mal anhalten und uns das genauer anschauen. Laut Reiseführer eine Delikatesse. Fragt man Einheimische ist das nicht unbedingt der Fall. Nein, wir haben sie nicht probiert.

Vom See ging es in die Berge auf das 2500 Meter hohe Nyika Plateau. Erst 1950 wurde das Plateau kartographiert. Auf Grund der Höhe weist es sehr niedrige Temperaturen im Vergleich zum restlichen Land auf. Nachts war es mit sieben Grad sehr frisch und unsere Daunenjacken kamen wieder zum Vorschein. Obwohl das Nyika Plateau sehr abgeschieden ist, es kaum Wege und sehr schlechte Pisten gibt, waren nur wenig Tiere vor Ort. Das lag auch an der kalten Jahreszeit. Sie ziehen sich in tiefere Regionen zurück. Die Landschaft bietet dennoch eine schöne Abwechslung und im Sommer sicherlich die ersehnte Abkühlung.

In Livingstonia schauten wir uns die kleine Stadt und den höchsten Wasserfall Malawis an. Für die 13 Kilometer lange Anfahrt benötigt man eine knappe Stunde. Unseren letzten Halt im Malawi machten wir am Floja Camp. Alle Erträge des Campingplatzes gehen an die angrenzende Schule, Kindertagesstätte und die Kinder bekommen dort ein kostenloses Mittagessen. Bis jetzt hat uns Malawi am besten gefallen, nicht zu Letzt auf Grund der sehr aufgeschlossenen Bevölkerung.



Booking.com

Kontakt

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.